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Nährstoffversorgung in der Schwangerschaft: Was Mutter und Kind wirklich brauchen

Aktualisiert: 15. Juli

In kaum einer anderen Lebensphase laufen im Körper so viele komplexe Prozesse gleichzeitig ab, wie während einer Schwangerschaft. Aus einer einzigen befruchteten Eizelle entstehen innerhalb weniger Monate Milliarden spezialisierter Zellen. Gehirn, Nervensystem, Herz, Organe, Knochen und Immunsystem entwickeln sich und für jeden dieser Schritte benötigt der Körper Energie, Proteine, Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe. Kein Wunder, dass viele Schwangere gerade in den ersten Monaten über Müdigkeit und Energielosigkeit leiden.


Dabei geht es nicht darum, in der Schwangerschaft „für zwei zu essen“. Der zusätzliche

Energiebedarf steigt zunächst kaum und liegt nach den Empfehlungen der Deutschen

Gesellschaft für Ernährung erst im zweiten Trimester bei ungefähr 250 kcal und im dritten Trimester bei etwa 500 kcal pro Tag [1] (vorausgesetzt, die körperliche Aktivität bleibt gleich). Der Bedarf an vielen Nährstoffen steigt dagegen deutlich früher und teilweise wesentlich stärker. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Menge, sondern vor allem die Qualität der Ernährung. Wir geben euch hier einen kleinen Einblick zwischen Mythos und Wissenschaft: Wir orientieren uns bei den gesundheitlichen Effekten vorrangig an aktuellen systematischen Reviews und Metaanalysen. Wo die Forschung keine eindeutigen Optimalwerte oder Standarddosierungen liefert, arbeiten wir bei SmartChoice individuell anhand von Ernährung, Ausgangswerten, Beschwerden und Verlaufskontrollen.


Die Grundlage: Makronährstoffe

Bevor man über einzelne Supplemente spricht, muss zuerst die Basis stimmen. Kein Nahrungsergänzungsmittel kann dauerhaft eine zu geringe Energiezufuhr, eine sehr einseitige Ernährung oder einen ausgeprägten Proteinmangel ausgleichen.


Proteine: Baumaterial für neues Gewebe

Proteine liefern Aminosäuren, die unter anderem für das Wachstum der Plazenta, die Bildung von Enzymen und Hormonen, das steigende mütterliche Blutvolumen und den Aufbau kindlicher Gewebe benötigt werden. In einer Studie mit gesunden Schwangeren lag der ermittelte durchschnittliche Proteinbedarf bei moderat aktiven Schwangeren bei [2]:

  • etwa 1,2g pro kg Körpergewicht in den ersten zwei Trimestern

  • etwa 1,5g pro kg Körpergewicht im 3. Trimester

Gute Proteinquellen sind beispielsweise: Eier, Milchprodukte, Fisch und Fleisch, Hülsenfrüchte, Tofu und andere Sojaprodukte. Gerade bei veganer Ernährung, starker Übelkeit oder sehr geringem Appetit sollte gezielt überprüft werden, ob ausreichend Protein und alle essenziellen Aminosäuren aufgenommen werden.

Tipp: Verteile deine Proteinzufuhr auf 3 Mahlzeiten und achte darauf, dass jede Mahlzeit 30g Proteine enthält.

Ungesättigte Fettsäuren und Omega-3

Fette sind nicht nur Energielieferanten. Sie werden auch für Zellmembranen, Hormone und die Aufnahme fettlöslicher Vitamine benötigt. Die Omega-3-Fettsäure DHA ist zudem ein wichtiger Bestandteil des Gehirns und der Netzhaut.

Schwangeren werden, je nach Ausgangslage, zwischen 200-1000 mg DHA pro Tag empfohlen. Eine gute Versorgung mit DHA senkt nachweislich das Risiko für sehr frühe Frühgeburten [3].


Ballaststoffe: für Darm und Stoffwechsel

Ballaststoffe unterstützen das Stuhlvolumen und die Darmbewegung, dienen Darmbakterien als Nahrungsgrundlage und können zur länger anhaltenden Sättigung beitragen. Das ist während der Schwangerschaft besonders relevant, da man so Verstopfungen vorbeugen kann. [4]

Ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft: die Basis für Mutter und Kind
Ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft: die Basis für Mutter und Kind

Als Orientierung gelten mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag. Gute Quellen sind Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen. Ballaststoffe sollten mit ausreichend Flüssigkeit kombiniert werden.


Die Mikronährstoffe

Aktive B-Vitamine

Folat (B9) ist vielen Frauen bereits bekannt. Für Zellteilung, Blutbildung, Energie- und Nervenstoffwechsel arbeitet es jedoch eng mit weiteren B-Vitaminen zusammen, insbesondere mit Vitamin B12 und B6. Somit steigt der Bedarf an mehreren B-Vitaminen während der Schwangerschaft.


Deshalb betrachten wir nicht nur Folat isoliert, sondern empfehlen häufig einen B-Komplex mit gut verfügbaren beziehungsweise aktiven Formen, beispielsweise 5-MTHF, Vitamin B12 und Pyridoxal-5-Phosphat. Welches Präparat und welche Dosierung geeignet sind, sollte sich auch hier nach Ernährung, Vorerkrankungen, Medikamenten und den relevanten Laborwerten richten.


Unabhängig davon bleiben täglich 400 µg Folat ab Kinderwunsch bis zum Ende des ersten Trimesters die grundlegende Empfehlung. Bei einem späteren Beginn werden 800 täglich empfohlen [5].


Eisen

Der Eisenbedarf steigt während der Schwangerschaft enorm. Eisen wird nicht nur für die Bildung von Hämoglobin und den Sauerstofftransport benötigt, sondern auch für die Plazenta, das steigende mütterliche Blutvolumen sowie die Gehirn- und Organentwicklung des Kindes. Insgesamt werden während einer Schwangerschaft rund 1.000mg zusätzliches Eisen benötigt, der sich häufig nicht allein über die Ernährung decken lässt [6].


Gleichzeitig starten viele Frauen bereits mit unzureichend gefüllten Eisenspeichern in die Schwangerschaft. In einer deutschen Untersuchung hatte fast jede zweite Schwangere einen unentdeckten Eisenmangel.

Man sollte daher möglichst frühzeitig die Eisenspeicher anhand des Ferritinwerts bestimmen. Dieser sollte (entgegen der üblichen Referenzwerte!) gerade bei Symptomen wie Müdigkeit, Brainfog und Haarausfall bei ca. 100ng/ml liegen. Auch die Geburt sollte bei der Beurteilung mitgedacht werden: Dabei geht Blut und damit Eisen verloren. Sind die Speicher bereits vor der Geburt leer, steigt das Risiko, mit Eisenmangel oder Anämie ins Wochenbett zu starten. Das kann Müdigkeit, Schwäche und eine erschwerte körperliche Erholung zusätzlich verstärken.


Wir empfehlen deshalb häufig eine individuell dosierte Eisenergänzung, um die Speicher, rechtzeitig aufzubauen und über die Schwangerschaft hinweg stabil zu halten.


Jod

Die Jodversorgung in Deutschland ist weiterhin problematisch: Etwa 38 – 46% der Frauen im gebärfähigen Alter weisen eine Jodzufuhr unterhalb des geschätzten mittleren Bedarfs auf. Jod wird für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt, die unter anderem für die Entwicklung des kindlichen Gehirns und Nervensystems wichtig sind. [7]

Schwangeren werden zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung 150 Jod pro Tag empfohlen [6]. Algenpräparate sind dabei jedoch kein verlässlicher Ersatz: Ihr Jodgehalt kann stark schwanken und teilweise sehr hoch sein. Zusätzlich können sie unerwünschte Verunreinigungen enthalten.


Vitamin D

Vitamin D wirkt im Körper wie ein Hormon und beeinflusst unter anderem den Knochenstoffwechsel, die Immunregulation, die Plazentafunktion sowie die Entwicklung des kindlichen Skeletts. Da die körpereigene Bildung stark von individuellen Faktoren abhängt, bedeutet Sommer nicht automatisch, dass eine Schwangere ausreichend versorgt ist. Deshalb bestimmen wir den 25-OH-Vitamin-D-Wert im Serum und entscheiden nicht allein anhand der Jahreszeit über eine Supplementierung. Bei niedrigen oder unzureichenden Werten empfehlen wir häufig bis zu 5.000 I.E. Vitamin D3 täglich [8].


Cholin

Cholin ist noch relativ neu auf dem „Forschungsradar“. Bisher weiß man, dass es für Zellmembranen, den Fettstoffwechsel und die Bildung von Neurotransmittern benötigt wird. Es spielt daher eine Rolle bei der Entwicklung von Gehirn und Nervensystem.


Aktuelle Studienzusammenfassungen zeigen, dass ca. 90%! der Schwangeren zu niedrige Zufuhrmengen haben und dass eine bessere Versorgung möglicherweise mit günstigeren Schwangerschafts- und Entwicklungsoutcomes verbunden ist. [9] Ein „Superfood“, was die Cholinmenge betrifft, sind Hühnereier. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit nennt für Schwangere eine angemessene Zufuhr von 480mg pro Tag. Das entspricht ungefähr der Menge von 3-4 Eiern täglich.


Coenzym Q10

Coenzym Q10 ist am mitochondrialen Energiestoffwechsel beteiligt und wirkt als Antioxidans. Es gehört derzeit jedoch nicht zu den standardmäßig empfohlenen Schwangerschaftssupplementen. In einer älteren Studie mit Frauen, die ein erhöhtes Präeklampsierisiko hatten, senkten 200mg Coenzym Q10 pro Tag ab der 20. Schwangerschaftswoche die Präeklampsierate. [10]


ACHTUNG: Nicht blind supplementieren!

Hinsichtlich der Mikronährstoffversorgung arbeiten wir bei SmartChoice in Potsdam nach unserem „Messen Machen Messen“ - Prinzip: Das bedeutet, wir empfehlen keine pauschalen Supplements für jeden, sondern wir betrachten mit jeder Frau gemeinsam zuerst ihre individuelle Situation. Anschließend wählen wir gezielt die Werte aus, die für die Schwangerschaft wirklich relevant sind, beispielsweise Eisenstatus, Vitamin B12, Vitamin D, Schilddrüsenwerte oder die Omega-3-Versorgung.


Auf dieser Grundlage entsteht ein individueller Plan für Ernährung und Supplementierung. Dabei berücksichtigen wir nicht nur den Nährstoff selbst, sondern auch die passende Dosierung, Verträglichkeit und Darreichungsform.


Nach einem geeigneten Zeitraum werden die Werte erneut kontrolliert. So sehen wir, ob die Maßnahmen tatsächlich wirken und können die Dosierung bei Bedarf anpassen. Genau das bedeutet für uns: messen, gezielt handeln und anschließend erneut messen.


Weil die Ausgangssituation jeder Frau anders ist, können wir keine allgemeingültigen Produktempfehlungen geben. Ein Präparat, das für eine Frau sinnvoll ist, kann für eine andere zu niedrig dosiert, unnötig oder ungeeignet sein. Bei SmartChoice in Potsdam begleiten wir Frauen deshalb individuell und ganzheitlich, statt ihnen einen vorgefertigten Supplementplan an die Hand zu geben.


Unsere Schwangerschafts-Nährstoff-Checkliste:

1. Schaffe zuerst eine gute Ernährungsbasis.

Das Wichtigste: Hab Freude am Essen!! Achte bei jeder Mahlzeit zuerst auf eine Proteinquelle (je 30g), bunte pflanzliche Lebensmittel, hochwertige Fette und ausreichend Kohlenhydrate (gerade abends erleichtern die das Einschlafen).


2. Beginne möglichst schon bei Kinderwunsch.

Einige Nährstoffe sind bereits in den ersten Schwangerschaftswochen entscheidend, oft zu einem Zeitpunkt, an dem die Schwangerschaft noch gar nicht bekannt ist. Das gilt insbesondere für Folat, Cholin und die Schilddrüsenversorgung. Dafür solltest du gezielt nach den Werten TSH, fT3, fT4 sowie den Grundbausteinen Ferritin, Selen, Jod und Gesamteiweiß schauen lassen.


3. Erhöhe Ballaststoffe langsam.

Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen unterstützen Verdauung und Darmmikrobiom. Steigere die Menge schrittweise und trinke ausreichend, damit Blähungen oder Bauchschmerzen nicht zusätzlich zunehmen.


4. Nimm Eisen, Jod und Vitamin D nicht einfach auf Verdacht ein.

Ob und wie viel benötigt wird, hängt unter anderem von Ernährung, Schilddrüsengesundheit, Ausgangswerten, Vorerkrankungen und bereits verwendeten Präparaten ab.


5. Betrachte nicht nur einzelne Laborwerte.

Ein vermeintlich „normaler“ Einzelwert erzählt nicht immer die ganze Geschichte. Beschwerden, Ernährung, Medikamente, Entzündungsmarker und die Entwicklung der Werte gehören gemeinsam betrachtet.


6. Kontrolliere, ob deine Maßnahmen tatsächlich wirken.

Eine einmal festgelegte Dosierung muss nicht für die gesamte Schwangerschaft passen. Der Bedarf kann sich verändern.


Die wichtigste Botschaft: In der Schwangerschaft geht es nicht darum, möglichst viele Supplements einzunehmen. Es geht darum, die eigene Ausgangssituation zu kennen und genau die Unterstützung auszuwählen, die Mutter und Kind tatsächlich benötigen.

Du bist auf der Suche nach einer passenden Begleitung für dich? Dann schau in unserem Anbieter*innen-Verzeichnis nach dem Stichwort "Rückbildung".


Quellen:

1 Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (o. D.). Energie. Abgerufen am 13. Juli 2026, von https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/energie/

2 Stephens TV, Payne M, Ball RO, Pencharz PB, Elango R. Protein Requirements of Healthy Pregnant Women during Early and Late Gestation Are Higher than Current Recommendations. Journal of Nutrition. 2015;145:73–78.

3 Cetin I, Carlson SE, Burden C, et al. Omega-3 fatty acid supply in pregnancy for risk reduction of preterm and early preterm birth. American Journal of Obstetrics & Gynecology MFM. 2024;6(2):101251. doi: 10.1016/j.ajogmf.2023.101251.

4 Shen H, Chen D, Wang S, Jin Y, Cheng W. Effects of dietary fiber on maternal health in pregnant women with metabolic syndrome risk: a randomized controlled trial. Food & Function. 2024;15:6597–6609. doi: 10.1039/D3FO05120J.

5 Koletzko, B., Cremer, M., Flothkötter, M., Graf, C., Hauner, H., Hellmers, C., Kersting, M., Krawinkel, M., Przyrembel, H., Röbl-Mathieu, M., Schiffner, U., Vetter, K., Weißenborn, A., & Wöckel, A.(2018). Diet and lifestyle before and during pregnancy—Practical recommendations of the Germany-wide Healthy Start–Young Family Network. Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 78(12), 1262–1282. https://doi.org/10.1055/a-0713-1058

6 Vaucher P, Druais PL, Waldvogel S, Favrat B. Effect of iron supplementation on fatigue in nonanemic menstruating women with low ferritin: a randomized controlled trial. CMAJ. 2012;184(11):1247–1254.

7 Bundesinstitut für Risikobewertung. Declining iodine intake in the population: model scenarios to improve iodine intake. BfR Opinion No. 005/2021.

8 Yang WC, Chitale R, O’Callaghan KM, Sudfeld CR, Smith ER. The Effects of Vitamin D Supplementation During Pregnancy on Maternal, Neonatal, and Infant Health: A Systematic Review and Meta analysis. Nutrition Reviews.2025;83(3):e892–e903. doi: 10.1093/nutrit/nuae065.

9 Roeren M, Kordowski A, Sina C, Smollich M. Inadequate Choline Intake in Pregnant Women in Germany. Nutrients.2022;14(22):4862. doi: 10.3390/nu14224862.

10 Teran E, Hernandez I, Nieto B, Tavara R, Ocampo JE, Calle A. Coenzyme Q10 supplementation during pregnancy reduces the risk of pre-eclampsia. International Journal of Gynecology & Obstetrics. 2009;105(1):43–45. doi: 10.1016/j.ijgo.2008.11.033.

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